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Kempo Was muss ich wissen? Wer Kempo, Tai-Chi oder Muay –Thai lernt, betritt eine Welt, in der andere Gesetze herrschen als draußen. Diese Ausbildung ist eine Ausbildung zur Kampfkunst und nicht zum Kampfsport!! Bei uns gelten vier große Charaktereigenschaften, Liebe, Respekt, Wahrheit und Ehre, so wie die Philosophie der asiatischen Kampfkünste, als maßgebliche Gesetze, denen wir folgen müssen. Dies zu vermitteln, dafür sind die Sensei (Lehrer) und die Sempai (Übungsleiter) da. Darüber hinaus besteht das Ausbildungsziel in der reinen Selbstverteidigung ohne Wettkampfaspekte, basierend auf den o.g. Charaktereigenschaften. Wer dazu die Tätigkeit eines Sensei oder Sempai für eine Dienstleistung hält, verkennt den Sinn des Unterrichts. Der Lehrer ist sicherlich nicht der Diener des Schülers, und etwas leisten soll im Training der Schüler und nicht der Meister. Da Technik und Philosophie in den Kampfkünsten untrennbar miteinander verbunden sind, muss man diese Regeln akzeptieren. Kann man dies nicht, dann sollte man eine der Kampfsportarten wie Judo, Karate oder Tae-Kwon-Do lernen, wo der Lehrer oder Meister keiner ist, sondern nur ein Trainer. Es fängt damit an, dass man vor dem Unterricht bezahlt. Und nicht der Lehrer bedankt sich für das Geld, sondern der Schüler bedankt sich dafür, dass es der Lehrer annimmt und einwilligt ihn zu unterrichten.
Das Preis – Leistungsverhältnis ist hier immer noch zu Ungunsten der Lehrer ausgerichtet. Denn wo sonst bekommt man Unterricht in einer wertvollen Selbstverteidigungsmethode und Hilfe mit Rat und Tat in allen und für alle Lebenslagen. Wo sonst erfährt man mehr über das Leben als durch den Kampf mit sich selbst und die führende Hand und helfende Hand des Meisters, für nicht mal 3,-€ pro Stunde?
Neue Schüler stehen oft auf dem Standpunkt, sie hätten für Ihr Stundenhonorar den Lehrer gekauft. Sie stellen sich ins Dojo und sagen: „Ich hab Dich bezahlt , nun mach mal was mit mir!“ Tatsächlich sind aber sie es, die während der Übungsstunden etwas leisten sollen. Der Lehrer beobachtet, korrigiert und gibt ihnen neuen Stoff, wenn der alte beherrscht ist.
Nur wenn dies so berücksichtigt wird, steht dem Erfolg nichts mehr im Wege. 1. Es gibt für einen wahren Kampfkunstexperten kein fertiges, erlernbares, absolutes System des Kampfes, sondern er formt dieses im Laufe jahrelanger harter Arbeit selber. 2. Kein System ist schlecht oder gut. Der Übende macht dies daraus. Kempo, oder auch Kenpo, heißt übersetzt: „Kunst/o. Weg des Faustkampfes“. Das besondere am KOSHOKUN KEMPO RYU ist, das es sich zurückorientiert, an die alten Werte der Kampfkunst: Selbstverteidigung – Einhalten und erlernen der Etikette (Philosophie und Charakterbildung) - Gesunderhaltung – Harmonisierung von Körper, Geist und Seele. Und zwar nicht nur in Form eines schönen Rahmens um ein, von Wettkampf oder Organisationen geprägtes Bild, sondern diese Werte bilden die Präambel unserer Schule und manifestieren sich in der Dojokun (Regeln der Kampfkunst) unter den Charaktereigenschaften: Liebe – Wahrheit – Respekt – Ehre. Der Schüler tritt mit dem ersten Training in ein Regelwerk, welches auf den folgenden vier Prinzipien gründet. Dem Regelwerk, welches in der Interpretation dieser Prinzipien beschrieben ist, ist unbedingt Folge zu leisten, da die Nichtbeachtung bestraft wird, bis hin zum Ausschluss aus der Gemeinschaft der Kampfkunst-Übenden. 1. LIEBE Der erste Schritt, diese Regel zu beachten, ist das erlernen der Demut. Zu erdulden, was von einem verlangt wird, endet in Liebe und Hingabe zu dem Erlernten. Mit dem Aussprechen des Wortes „OSU“ (ausgesprochen »oss«) wird dies dem Schüler immer wieder in Erinnerung gerufen. Das Wort besteht aus zwei verschiedenen Bedeutungen. Das erste Schriftzeichen „O“ bedeutet „DULDEN“ und das zweite, „SU“ bedeutet „STREBEN“. Zu erdulden was von einem verlangt wird, ob von den Eltern, vom Meister oder einer anderen übergeordneten Institution, spielt keine Rolle. Und das gleichzeitige Streben nach dem Ideal, das die Kunst vom Schüler verlangt. Das Ideal an Mensch, an Technik, an Selbstverteidigung ...etc. So kann die Liebe zu edlen Taten anspornen. Diese Regel bezieht sich aber auch, sowohl auf die notwendige innere Haltung, die menschliches Zusammenleben ermöglicht, als auch auf die Formung eines menschenwürdigen Charakters. Bei den Tieren sind die Verhaltensmuster zur Erhaltung ihrer Art in ihren natürlichen Anlagen vorhanden und werden von der Natur gelenkt. Der Mensch kann diese durch seine Verselbstständigung mit egoistischen Interessen ersetzen und braucht daher eine durch Erkenntnis verinnerlichte Instanz, welche auf das Maß seiner Handlungen achtet. Diese Instanz ist dem Menschen nicht mitgegeben, er muss sie sich erarbeiten. Deshalb mahnt diese Regel zum Verzicht auf Gewalt und bezeichnet gleichzeitig alle Formen von Gewalt als menschenunwürdig. Ein Fortgeschrittener in den Kampfkünsten kann anderen Menschen ernsthafte Verletzungen zufügen und ist dann, wenn er seine Fähigkeiten als Machtmittel gegenüber seinen Mitmenschen verwendet eine Gefahr für die Gesellschaft und ein menschenunwürdiges Individuum. Meister Funakoshi´s » KARTE NI SENTE NASHI« (im Karate gibt es keinen ersten Angriff) erläutert, dass der Mensch als geistiges Wesen, die Fähigkeit besitzt, Wege der Gewaltlosigkeit zu finden, wenn er den Situationen mit überwundenem Ego begegnet. Das Grundprinzip der Kampfkunst, »Eine Situation erkennen, diese verstehen und dann absolut richtig danach handeln«, steht immer im Zeichen dieser Regel. Deshalb lernt der Schüler der Kampfkünste, die ersten Jahre immer vorrangig, den Kampf gegen sich selbst. Die eigentliche Kampfkunst, den Stil, das Wissen über das Kämpfen, erlernt er vom Meister erst nach Jahren harter Arbeit an sich selbst, wenn der Meister erkennt, dass der Übende in der Lage ist, das Erlernte, zur Durchsetzung und leben der Dojokun, einzusetzen. Tut er dies nicht, sondern aus selbstsüchtigen Zwecken, verliert der Schüler die Berechtigung, unterrichtet zu werden. „Aufrichtigkeit ist ein Zwillingsbruder des Mutes. Zur Wahrheit bedarf es meistens mehr Mut als zur Lüge, denn diese ist das Zeichen des Feiglings.“ (Nitobe)
Diese Regel erläutert die Grundvoraussetzungen, durch die rechte und gerechte Beziehungen zu anderen Menschen möglich werden. Fruchtbare Beziehungen entstehen erst dann, wenn ein Mensch fähig ist, persönliche Ansprüche durch die Bereitschaft zur Hingabe auszugleichen. Gerät das Gleichgewicht zwischen Bereitschaft und Anspruch durch egoistische oder oberflächliche Fehlhaltung in Gefahr, wird jeder Fortschritt unterbrochen. Merkt dies der Meister schreitet er ein, meistens unmerklich. Dort wo Menschen mehr wollen als sie geben, höhere Ansprüche stellen, als sie bereit sind zu verantworten, viel versprechen und wenig halten, Großes beabsichtigen und Kleines tun, ziehen sie sich das Missfallen all jener zu, die das entstehende Ungleichgewicht durch erhöhte Opfer ausgleichen müssen.. Im Dojo z.Bsp. gibt es viele Gelegenheiten bei denen sich diese Verhaltensweisen immer wieder zeigen. Beim Dojodienst, wenn der eine nicht kommt und niemandem Bescheid sagt, obwohl er weiß dass er Dojodienst hat und der andere dann seine Arbeit mit verrichten muss, beim leiten eines Kurses, wenn man sich nicht selber darum bemüht zu wissen wann, wo und wie man ein Training leitet, wenn man als Schwarzgurt glaubt nun alles zu wissen und zu können, ohne sich selber weiterzubilden, etc. Opferbereitschaft und Demut gegenüber der Kunst und dem Meister, nicht einfach weil er Meister ist, sondern weil er diese Kunst repräsentiert, sind die Grundlagen zur Meisterschaft. Dazu gehört unabdingbar der Weg der Wahrheit. Der Weg der Wahrheit ist ein Weg der einen sicher geleitet, niemanden abstürzen und niemanden fallen lässt. Den einem aufrechten Menschen, kann niemand schaden. Der Weg der Wahrheit bringt uns dazu uns selbstkritisch zu betrachten, so wie wir uns betrachten wenn wir trainieren und Fehler korrigieren. Die Wahrheit dient dazu das Leben so zu sehen wie es ist, den Kampf so zu sehen wie er ist und nicht im Vorurteil, Selbstüberschätzung und Egoismus zu haften. Auf dem Weg der Wahrheit lernt man alle Dinge so zu sehen wie sind, ohne Trübungen und Verfälschungen durch äußere und innere Einflüsse. Man lernt zu entscheiden was richtig und was falsch ist, technisch und geistig. Der Weg der Wahrheit führt dazu uns selbst genauso einzu8schätzen wie wir sind, mit all unserem Können und mit all unseren Schwächen. So können wir in der Lage sein, alle Probleme und Auseinandersetzungen, ob im täglichen Leben oder im Kampf, ob psychisch oder physisch, ohne Schaden zu überstehen. Dazu müssen wir aber Bereit sein diesen Weg zu verteidigen, koste es was es wolle, denn nicht ist wichtiger als der Weg der Wahrheit, er entscheidet über unser Leben. Diese Regel bezieht sich auf das ausgewogene Verhältnis des Menschen zu sich selbst. Sie macht deutlich, dass die Übung der Kampfkünste nicht nur das Körperliche meint, sondern dass sich der Übende in allen Situationen des Alltags selbstkritisch betrachten soll, um festzustellen welches seine inneren Probleme sind, die der Perfektion seines Selbst im Wege stehen. Durch diese Regel wird der Übende aufgerufen, seine inneren Unebenheiten mit derselben Kraft zu bekämpfen, wie er es im täglichen Training lernt, äußere Schwierigkeiten zu überwinden. Mit einem wachen und sich selbstbetrachtenden Geist, kann der Übende den Sinn dieser Regel in unzähligen Situationen an sich selbst feststellen. So kann er z.Bsp. erkennen, ob er sich im inneren Gleichgewicht befindet oder ob er im Vorurteil denkt und handelt. Auch Tendenzen zur Überheblichkeit, zum Egoismus, zur Selbstüberschätzung, zur Ungerechtigkeit, zum Selbstmitleid, zu unkontrollierten Gefühlen, und viele andere dieser Dinge, fallen unter diese Regel. Wenn sie nicht behoben werden, verhindern sie den Fortschritt. Respekt ist, wie alle anderen Charaktereigenschaften, auch erlernbar. Es beginnt mit „REI“ und endet mit „REI“, wie in der Übungsstunde. Jede Bewegung, jeder Angriff, jede Abwehr, sollte mit dem Geist des „REI“ ausgeführt werden. Respekt und Höflichkeit verlangen aber auch Aufrichtigkeit und Selbstbewusstsein. Ohne Aufrichtigkeit wird Höflichkeit zur Heuchelei und ohne Selbstbewusstsein ist Höflichkeit oft nur ein Akt aus Angst.
Diese Regel bezieht sich auch auf die richtigen Formen des Verhaltens, die ein Mensch beachten muss, wenn er von anderen verstanden und angenommen werden will. Menschen mit einer schlechten Verhaltensetikette werden selbst im Wohlgemeinten missverstanden, denn sie wiederlegen ihre Absichten und Aussagen durch nicht entsprechendes Verhalten. Die recht Etikette macht einen Menschen glaubwürdig, offen und unkompliziert. Sie bewirkt eine verständliche Kommunikation und hilft die Harmonie in menschlichen Beziehung zu erhalten. Ohne Etikette wird Aufrichtigkeit zur Grobheit, Mut wird zur Auflehnung, Demut zur Unterwürfigkeit, Respekt zur Kriecherei und Vorsicht zu Furchtsamkeit. Die Grundlegenden Aussagen der Etikette finden wir in den Leitsätzen:
»Ohne Höflichkeit geht der Wert der Kampfkunst verloren« und »Kempo beginnt und endet mit Respekt«, wieder. Deshalb ist die Art, wie ein Übender Rei ausführt, ein Spiegel seiner selbst. Rei beschreibt die Grundlage jeder Etikette. In jedem Satz der Etikette steht das Rei am Anfang. Rei bezeichnet den Respekt und die Hochachtung vor der Kunst, dem Meister, dem Dojo, den Eltern und allen Individuen. Doch darf diese Hochachtung nicht in Kriecherei oder Unterwürfigkeit führen.
Dort wo die Grenze der Etikette von anderen Menschen überschritten wird, ist der Übende der Kampfkunst angehalten einzuschreiten. Im eigenen Umfeld wie im Dojo, zu Hause etc. muss der Kampfkünstler bereit sein, die Etikette mit allen Mitteln zu verteidigen. Für viele Menschen mag dieses Verhalten dann Hochmütig oder Überheblich erscheinen, doch wir wissen, dass es sich um eine Notwendigkeit handelt, die uns dazu erzieht, Prinzipien einzuhalten dafür zu stehen und dafür zu kämpfen, eine Philosophie die heute von fast niemandem mehr praktiziert wird, oder wenn, dann nur zum Schein. Es wird nicht immer möglich sein, alle Prinzipien der Etikette von Anfang an einzuhalten, doch der Versuch dies zu tun, und der bekundete Willen zu den Prinzipien zu stehen und diese zu verteidigen, sind ehrenvoll und Ziel dieser Regel.
Die Regel verlangt von niemandem, dass von dem ersten Tag an, an dem er die Kampfkunst übt, einen perfekten Charakter haben soll, nein, aber er soll sich auf die Suche nach ihm begeben. Das Streben nach dieser Perfektion muss im Verhalten des Übenden erkennbar sein. Ist dies nicht der Fall, wird er vom Meister nicht als Schüler akzeptiert. So sollte der Übende auch nach dieser Regel den Anweisungen des Meisters, der Sempai und der höher Graduierten, vertrauensvoll Folge leisten, denn diese sind dem Schüler, egal wie weit er schon ist, immer einen Schritt voraus und kennen die Gefahr der Selbstüberschätzung. Es geht nicht darum immer zu fragen »warum«, es geht darum es selbst zu erfahren, und das heißt üben, üben, üben ... ohne zu fragen. Sich selbst zu fragen, dass ist wichtiger. Sich selbst fragen warum, sich selbst fragen ob man richtig oder falsch handelt, sich immerzu fragend ob die Etikette eingehalten wird, dies ist der richtige Weg, auf der Suche nach dem wahren Charakter mit Respekt und Höflichkeit.
Diese Erfahrungen zu machen, dazu dient das KOSHOKUN KEMPO RYU. Das KOSHOKUN–KEMPO-RYU kam um das Jahr 1750 nach Okinawa. Überliefert wurde sie von einem chinesischen Gesandten namens Kwang Shang Fu oder Kung Siang Chün, je nach dem, in welchem chinesischen Dialekt man spricht. Im okinawaschinen Dialekt nannte man ihn Koshokun und im japanischen Kushanku. Kwang Shang Fu lebte auf Okinawa in der Ortschaft Kumemura. Dort wohnten viele chinesische Gelehrte, Kaufleute, Handwerker und Militärberater, von denen Kwang Shang Fu einer war. Koshokun war nicht nur ein Kampfkunstexperte, sondern auch ein gelehrter des Zen, des Taoismus und Konfuzianismus. Als Militärberater kannte er sich natürlich auch in den Kriegkünsten und der Strategie des Sun Tzu aus. So ließ Koshokun nicht nur kämpferische Elemente in seine Kunst und Lehre mit einfließen, sondern auch alles was er an philosophischen und psychologischen Kenntnissen hatte. Er versuchte die Kunst des Kämpfens zu einer Kunst des Lebens und des Überlebens zu machen. Er beschränkte sich nur auf relativ wenige Techniken, die er zu perfektionieren versuchte und lehrte durch verschieden andere Bewegungen, Charakterstärke, Ehre, Respekt und Demut. Leider sind diese Bewegungen im Laufe der Zeit, vor allen Dingen durch die Japaner und Koreaner, zu Kampfsimulationen verunstaltet worden. Obgleich man schon auf den ersten Blick erkennt , dass z.Bsp. die Buddha-Kampfhaltung (manji-gamae), nichts mit einer Selbstverteidigungstechnik zu tun hat. Doch durch die Interpretation des Bunkai, hat man auch aus diesen Bewegungen, welche eine bestimmte Geisteshaltung initiieren sollen, versucht eine Kampftechnik zu machen. Koshokun hat schon damals gewusst, dass äußere Einwirkungen und Übungen, sich auf den Geist und Charakter eines Menschen auswirken. Dies gilt umgekehrt genauso und diese Übungen sind nachher Spiegel, der Verfassung des Übenden. Es ging immer darum, durch äußere Übungen den Geist und Charakter zu beeinflussen und diese zu einer Vollkommenheit und Stärke zu bringen, die sich im Kampf durch nichts beeinflussen lässt und in der Leere des Universums aufgeht. Die erste Bewegung der Kata KOSHOKUN symbolisiert dies. Die Aufmerksamkeit darf durch nichts gestört werden, weder durch inner Einflüsse wie Angst, Haß, Hunger Durst o.ä., noch durch äußere Einflüsse, wie durch die Kraft, die Größe oder das Auftreten des Gegners. Dazu dient z.Bsp. die Stellung manji-gamae. Ergänzen muß sich diese Geisteshaltung durch eine perfekte Technik, welche den Übenden dazu bringt, eine solche geistige Stärke auch nach außen zu vertreten. Selbstverteidigung und Geisteshaltung müssen perfekt sein. So ergänzen sich Yin und Yang. Im chinesischen nennt man diesen Zustand der Geisteshaltung Wu-Wei, das Nicht-Handeln, Nicht-Denken- Nicht Wollen. In den okinawanischen und japanischen Künsten nennt man diese Haltung „Mushin“. Die dazu gehörige Metapher lautet: „ Mushotoku – ohne Ziel und Streben nach Profit“. Eines der Grundprinzipien unserer Schule. Koshokun ging es nie darum seine Kunst mit dogmatischen Mittel zu lehren, sondern er ließ hier auch schon jedem Übenden, davon gab es zwar nur wenige, seinen eigenen Entwicklungsspielraum, auf der Basis seiner Lehre. So entwickelte sich sein Schüler Sakugawa (soto deshi) ganz anders als seine Schüler Takahara (uchi deshi) und Shionja. Der Ausspruch in der Shoto-Nijukun von Gichin Funakoshi: „Gijutsu yoi shinjutsu - Intuition ist wichtiger als die Technik“ leitet sich von Koshokun ab. Koshokun war einer der ersten Lehrer, welcher nicht nach bestimmten festgelegten Kampfkombinationen lehrte, sondern die Kata als Grundschulübung ansah. Er brachte sie seinen Schülern bei und überließ nach der Shu (Form)-Stufe das Kämpfen der Kreativität der Schüler. Ein Beispiel: Die Technik shuto-uke, die Abwehr mit der Schwerthand, ist im Grunde keine reine Abwehrtechnik. Sie soll den Schüler lehren, wie man mit dieser „Schwerthand“ umgeht und was man alles mit ihr machen kann. Dabei ging es um das Prinzip des Schwertes, welches sich in der Technik wiederspiegeln sollte. Es ging nie darum die Technik genauso anzuwenden wie sie in der Kata gelehrt wurde, sondern darum ihr Prinzip verstehen zu lernen. Funakoshi sagte schon in seinem Buch „Karate-Do Nyumon“: „In der Kata muß jede Technik pedantisch genau ausgeführt werden. – Im Kampf jedoch gilt genau das Gegenteil!“ Jeder kennt diese Aussage, schade ist nur, dass sie niemand beachtet, und das hat auch seinen Grund. Die Asiaten, vor allem aber Japaner und Koreaner haben Europäer, Amerikaner und alle die der westlichen Hemisphäre entstammen, schon immer mitleidsvoll als Barbaren, ohne Ehre und Kultur betrachtet. Deshalb bekam bis weit in die siebziger Jahre des 20. Jh. kein sogenannter „Gaijin“ ( wörtl. Übersetzt: Fremder, Barbar, Ungläubiger; eine Synthese aus allen drei Interpretationen) mehr als den 3. Dan. Denn ab dem vierten Dan, einem Gaijin den Grad des „perfekten Kriegers“ zu verleihen, oder gar den fünften Dan, den des „Lehrers“ oder „Meisters“ war ein Sakrileg gegen die eigene Kultur. Denn ein Ungläubiger, ein Fremder, ein Barbar konnte nie ein perfekter Krieger oder gar ein Meister im Sinne der eigenen Kultur, sein. Erst als sich amerikanische und europäische Organisationen, unabhängig von den asiatischen Förderationen zu trennen begannen und die alten Vorkriegsmeister begannen wegzusterben und die sich daraus entwickelten Konkurrenzkämpfe der Asiaten untereinander auszubreiten begannen, erst dann begann man aus reinem Zweckinteresse, auch höhere Dan-Grade zu verleihen. Denn das bedeutete Mitgliederzuwachs und dies bedeutete Macht.
So gab es auch immer ein sogenanntes „Kagemusha“, ein „doppeltes Angebot“. Die erste Stufe Shu bedeutet: Gehorsam gegenüber der überlieferten Form; die Form befolgen. Erlernen der essentiellen Vorbedingungen zum Erlernen einer Kampfkunst, wie Spannung, Haltung Atmung. Dazu gehört das richtige Stehen, die richtige Bewegung, das richtige Timing, der richtige Energiefluß, der richtige Krafteinstz, das Erlernen der essentiellen geistigen Lehren wie, Zanshin (Aufmerksamkeit), Mushin (Leere des Geistes), Metsuke (Blick), Yomi (Wahrnehmungsvermögen), Kihaku (Kampfgesit), Reishin (Respekt, Ehre und Höflichkeit). Shu ist die Stufe des Anfängers. Um jemals über sie hinausgehen zu können, muß der Übende eine Haltung des Gehorsams gegenüber allem Überlieferten entwickeln, damit er es richitg lernen kann. Als Anfänger darf er nichts in Frage stellen und nichts verändern. Wenn er Geduld, Bescheidenheit und Vertrauen besitzt, wird sich im Laufe der folgenden Jahre, das richtige Verständnis einstellen und der Übende wird begreifen, dass das Lernen in der Shu-Stufe Grundvoraussetzung ist, um den Kampf zu lernen. Doch vorher muß er die Formen lernen und die Regel beachten. Die drei Wegstufen sind mit dem erlernen der Schrift und des Schreibens zu vergleichen. In der Shu-Stufe lernt der Übende die einzelnen Buchstaben des ABC. Die Form, die Techniken, die Dojokun, das Atmen, die Stellungen, die Bewegungen, Haltung, Spannung, Atmung, Energie – und Kraftfluß ... etc. Darauf bezieht sich Meister Funakoshi´s Leitsatz: »Die Haltung des Anfängers muß frei sein von eigenen Urteilen, damit er später ein natürliches Verständnis gewinnt.« Die Lehrer wissen, dass es schwierig ist, einen Schüler auf die Ha-Stufe (Formfreiheit) zu führen. Der Grund dafür liegt im unüberwindbaren Vorurteil des des Schülers, vorab zwischen Richtig und Falsch entscheiden zu können. Doch dort wo sich Anfängermeinungen durchsetzen, kann es kein Lernen geben. Anfängermeinungen sind wie die folgende Geschichte: Ein König in Indien, war krank. Er rief mehrere Ärzte aus seinem Reich zu sich um schnell zu genesen. Doch jeder der Ärzte stellte eine andere Diagnose. So blieb er sehr lange krank. Ein anderes Mal Wollte er eine neue Sternenkarte für seine wissenschaftlichen Arbeiten haben und rief alle Astronomen des Reiches zusammen, dass sie ihm eine Sternenkarte zeichnen. Doch jeder zeichnete die Sternenkarte anders und der König fand sich überhaupt nicht mehr zurecht. Durch diese zwei Vorfälle ersann er folgenden Versuch. Er rief alle Blinden, alle Ärzte, alle Astronomen und Gelehrte des Landes, erneut zusammen an seinen Hof, Er fragt die Blinden welcher von Ihnen schon mal einen Elefanten ertasteten. Diejenigen die dies bejahten ließ er wieder fortgehen. Die anderen Blinden ließ einen Elefanten anfassen. Jeden Blinden nur an einer Stelle. Dann fragte er die Blinden wie denn nun ein Elefant beschaffen sei: „ Er ist ein dickes Tau“, sprach der, der den Rüssel ertastete. Ein anderer der auch den Rüssel ertastete sagte: „ Ein Elefant ist wie eine große Phyton.“ Der dritte, welcher den Schwanz anfasste, sprach: „ Ein Elefant ist ein weicher, großer Pinsel.“ „Nein, nein, ein Elefant ist eine dicke Säule,“ sagte derjenige, welcher das vordere Bein ertastete. Ein vierter, welcher das Ohr des Elefanten betastete sprach: „ Ein Elefant ist ein riesiges, dickes Blatt“. „Nein, nein!“ sagte der nächste, welcher das andere Ohr ergriff „Ein Elefant ist eine kleine Reistrohmatte!“
Da sprach der König zu den Gelehrten, die dabei zu schauten: „ Es streiten sich Gelehrte und Asketen, weil vom Ganzen, sie nur einen Teil erspähten!“
Die meisten Schüler interpretieren die Kampfkunst genauso wie diese Blinden. Sie gründen dann auf diesen Interpretationen eigen Kata und Stile, weil ihnen die traditionellen nicht virtuos genug sind. Andere meinen, die Kata sei ein überflüssiges Beiwerk, und üben nur den Zweikampf, weil sie glauben sie bräuchten keine Grundtechniken (ABC) zu üben. Andere wiederum lehnen die Dojokun ab, weil sie ihren Sinn nicht verstehen. Doch all diese Meinungen und Interpretationen haben mit der wahren Kampfkunst nichts zu tun. Um die tiefern Sinngehalte der Kunst, des Budo zu verstehen, ist oft jahrzehnte langes Üben unter einem Meister notwendig. Die Selbstverteidigung ist schnell erlernt, doch der Weg des Kriegers, ist mehr als nur reines Erlernen von Techniken. Der wahre Krieger geht über die Technik hinaus, er steht mit seinem Geiste über ihr. Das bringt ihn dazu unerschrocken dem Tod ins Auge blicken und jeder Situation gewachsen sein zu können. Da die meisten Schüler dies nicht beachten und statt dessen ihren eigenen, viel zu früh eingeschlagenen Weg, gehenkommen sie nie über die Shu-Stufe hinaus. Nachdem sie bei verschiedenen Wettkämpfen gewonnen haben, bezeichnen sie sich selbst, und werden von anderen (den großen Förderationen und Organisationen) dazu gemacht, als Meister. Das ist die Tragik des modernen Budo. Ein Meister der Kampfkünste ist etwas anderes als ein Champion de Europe oder World-Champion, die es heute auch zu Hauf gibt. Es gibt in Deutschland alleine über 100 verschiedene Kampfsportverbände und jeder richtet seine eigene Deutsche – Europa – und Welt – Meisterschaft aus. An jeder Ecke trifft man heute einen Weltmeister. Um zu unterrichten, muß sich der Übende mindestens in der Ha-Stufe befinden. Ein selbstgefälliger Mensch kann dies nie erreichen und wird stets seine naiven Vorstellungen für Fortschritt halten. Shu ist das Stadium des Formlernens, in dem es keine Möglichkeit gibt, in tiefere Zusammenhänge des Budo Einblick zu gewinnen. Keineswegs darf de Schüler um das, was er dennoch zu erkennen glaubt, streiten und sich mit Rechthaberei, das erst später eintretende Verständnis verbauen. Um lernen zu können muß sich der Übende in dieser Stufe, den Gesetzmäßigkeiten der Kampfkunst unterwerfen und seine Ansprüche seinem Niveau anpassen. Wenn er lernen will muß er die Entscheidungen seinem Lehrer überlassen und dessen Rat befolgen. Der kritische Geist gegenüber unverstandenen Prinzipien verhindert das Lernen. Der Meister, wenn er denn wirklich einer ist, kennt den Weg und seine Hindernisse und ist deshalb in der Lage dem Schüler die Entscheidungen abzunehmen.
Der Weg über die Shu-Stufe kann vom Schüler nicht gegangen werden, wenn die rechte Meister/Schüler-Beziehung fehlt und der Schüler nur Technik übt. Um den Weg und den Kampf zu erkennen und um beides zu verstehen, muß der Schüler diese Stufe überschreiten, er muß sich aus der Gefangenschaft der festen Form befreien. Dieser Prozeß wird weniger von seinem formalen Talentbestimmt, als von seiner inneren Haltung.
So ist es nur eine Aufgabe des Übenden, die Technik zu meistern. Die andere ist es, die rechte Haltung zu suchen. Es ist ein Fehler zu glauben, die rechte Haltung entstehe von selbst, wenn man seinen Gegner besiegen lernt. Die recht Haltung ist ein Resultat der Arbeit an sich selbst, unter der Aufsicht eines Meisters. Die dritte Stufe Ri bedeutet für den Übenden: sich von der Form trennen. In der Geschichte der Kampfkünste gab es nie eine klare Trennung von Frieden und der Auseinandersetzung mit Gewalt. Große Kampfkünste sind zumeist aus Klöstern entstanden oder von höchst friedfertigen Menschen gegründet worden, die durch die Kampfkunst und der Auseinandersetzung mit ihren Aggressionsenergien, erst zu solchen geworden sind. Viele Bewegungen der Kata spiegeln das wieder. Diese Bewegungen sollen die Verbindung zwischen Körper, Geist und Seele schulen. Den Menschen zu einer harmonischen Einheit verschmelzen, so dass ihn nichts aus den Gleichgewicht bringen kann, weder körperlich, noch geistig noch emotional. Viele Bewegungen haben auch eine technische und eine philosophische oder psychische Bedeutung. In ihnen soll diese Einheit sichtbar werden. Doch die meisten Bewegungen haben einen Selbstverteidigungscharakter, welcher dieses Gleichgewicht zwischen innen und außen erst ermöglicht.
1. Shinjutsu yoi Gijustsu = Intuition ist wichtiger als die Technik. Diese Bedeutung ist ausschlaggebend für das richtige Erlernen der Kunst. Nicht das Einüben von bestimmten Techniken ist wichtig, sondern das Erlernen von Bewegungs-schulischen Grundprinzipien, die sich automatisch der Situation anpassen können, ohne dass ich bewusst irgendeine Technik aus meinem »Selbstverteidigungs-Vorratslager« abrufen muß. Bruce Lee sagte dazu: „Lasse die Technik Deines Gegners zu Deiner werden!“ Dies sind die wichtigsten Regeln der Kata Koshokun. Sie ist ein komplettes Kampf-System, das alles was der Übende zum Erlernen der Kampfkunst braucht, lehrt. Kann der Übende diese Regeln befolgen und verstehen, wird er bald lernen, dass es keine Regeln gibt, außer denen des Universums: „Das absolute Chaos!“ Im Sport gibt es das Element der Zeit und es gibt Regeln. Im Kampf gibt es nur den Augenblick. In ihm entscheiden sich Leben und Tod ganz und gar. |
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